Helmut Thiele spielt am 5. April Patrick Süskinds „Der Kontrabass“ im Bürgerhaus

Auf einen kulturellen Hochgenuss dürfen sich Theaterinteressierte am 5. April freuen. Dann gastiert Helmut Thiele mit seinem Paradestück „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind im Bürgerhaus von Natrup Hagen. Veranstalter ist der Hagener Verein „KUL“ (Kultur und Leben). In einem Vorgespräch mit dem Vorstand um Jürgen Leonhard gewährte die „Osnabrücker Theaterlegende“, wie Thiele häufig genannt wird, interessante Einblicke in Vorbereitung, Planung und Durchführung der Aufführung.

Foto: Rechtzeitig zur Aufführung sind auch die Plakate fertig geworden, die an markanten Stellen in Hagen aufgehängt werden. Bei dem Vorgespräch werden sie von Michael Matthies (von links), Andrea Witte, Helmut Thiele und Jürgen Leonhard präsentiert.

Patrick Süskinds Stück hat Humor, Pfiff und Charme und besticht durch sein furioses Spiel mit der Sprache. Es erzählt das tragisch komische Zusammenleben eines Mannes mit seinem Kontrabass, mit dem ihn eine Art Hassliebe verbindet. Süskind zeigt einen Menschen kurz vor der Selbstauflösung. Am Leben gehalten wird er nur noch von der Liebe zu einer unerreichbaren Frau. 100 äußerst unterhaltsame Minuten macht Thiele zu einer Reise in die Seele eines einfachen Orchestermitglieds. Helmut Thiele spielt diese Rolle seit gut 30 Jahren und macht auch heute jede Aufführung zu einem besonderen Erlebnis.

Neben dem Instrument, so plaudert Thiele aus dem Nähkästchen, spielt auch das Bühnenbild für ihn eine Hauptrolle, für das er zur Erleichterung aller Veranstalter allein verantwortlich zeichnet. „Die komplette Kulisse habe ich immer zusammen. Vor jeder Aufführung heißt es dann raus mit den angestaubten Kellerregalen, dem angeschlagenen Kühlschrank und den Bananenkisten mit den Büchern und kreativem Schnickschnack aus dem angemieteten Container im Osnabrücker Hafen und rein in den Transporter zum nächsten Aufführungsort.“ In der Regel absolviert er diese kräftezehrende Arbeit in der Nacht vor seinem Auftritt.

Alles wird Teil für Teil mit Bolzen, Scharnieren, Schraubzwingen, Sicherheitsnadeln und Stützen möglichst stabil montiert. Und doch artet diese Maloche gelegentlich zu spontanen Tüfteleien und Tricksereien aus. Thiele: „Mal streikt die Fernbedienung, mal geht auch ein Brett kaputt oder ein Regal will einfach nicht gerade stehen. Aber diese körperliche Betätigung macht mir Spaß. Ich genieße den meditativen Charakter dieses Rituals.“

In solchen Augenblicken kommt ihm zugute, dass er einst in seinem Geburtsort Wien Maschinenbau studierte und es zum ausgebildeten Diplomingenieur gebracht hat. Was ein Zugeständnis an seine Eltern war, wie er verrät. Die hatten ihm einst geraten, trotz aller Liebe zur Schauspielerei „erst mal etwas  Anständiges“ zu lernen. „Und wie ich inzwischen gemerkt habe, war das ein guter Tipp.“

Zu guter Letzt holt er auch jenen unverkennbaren gestreiften Bademantel aus einer Bananenkiste, der alle Aufführungen seit 1986 ebenso unbeschadet wie ungewaschen überlebt hat und hängt ihn zum Auslüften an die Garderobe. „Der hat inzwischen Bühnenpatina angesetzt“, grinst Thiele, „aber wer Authentizität will, muss auch zu Opfern bereit sein.“

Allein sein „Partner“, der Kontrabass, erfreut sich nachhaltiger, ja geradezu liebevoller Behandlung. Während alle anderen Requisiten kaum geschont werden und regelmäßig vom Hafencontainer mit dem Bulli zum Aufführungsort kutschiert werden, verbleibt das kostbare Stück wohlbehütet  und verhätschelt im heimischen Wohnzimmer. „Den chauffiere ich erst kurz vor der Veranstaltung zur jeweiligen Bühne.“ Eine Vorsichtsmaßnahme, die sich bezahlt gemacht hat: Bei einer zurückliegenden Aufführung stellte er kurz vor Beginn fest, dass der Steg seines Kontrabasses gebrochen war. „Da auf die Schnelle Ersatz zu besorgen, war eine echte Herausforderung!“

In Zusammenarbeitg dem Hagener KUL hat Helmut Thiele schon so manches Mal für hochwertige und humorvolle Unterhaltung gesorgt. Kein Zweifel, dass die Besucher auch am 5. April im Bürgerhaus auf ihre  Kosten kommen. Karten sind im Vorverkauf in der Gellenbecker Zweigstelle der Sparkasse, in der Niedermark Apotheke, im Rathaus und am Aufführungsort zu 15 Euro  pro Person zu erwerben.   

 (erschien am 29.3.2019 in der NOZ, Text und Foto: Werner Bartels)

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